Eine unvergessliche Hochzeit

Anfang März gab es ein großes Ereignis, auf das sich alle unsere Student:innen und ich schon fast ein Jahr lang gefreut hatten: unsere Studentin Chovey hat geheiratet!

Falls ihr die Projekte dieser Organisation bereits länger verfolgt, wisst ihr vielleicht, dass wir Chovey in den vergangenen Jahren auf vielfältige Weise unterstützt haben: von der Deckung der Studiengebühren für ihr Bachelor- und Master-Studium, über die Registrierung in einer Englisch-Sprachschule, um ein offizielles Sprachzertifikat und ein IELTS-Ergebnis zu erhalten, bis hin zur Hilfe beim Verfassen ihres Lebenslaufs und beim Aussenden von Jobbewerbungen bis hin zur Spende eines Mopeds, um durch Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh zu navigieren. Im Laufe der Jahre haben wir ihr Leben wirklich maßgeblich beeinflusst und begleiten sie weiterhin auf ihrem Weg, damit sie sich weiterhin voll und ganz auf den Aufbau einer vielversprechenden Zukunft konzentrieren kann.

Chovey wuchs in einem Kinderdorf im ländlichen Kampot auf, wo ich sie vor zwölf Jahren kennenlernte, als ich mich ehrenamtlich für diese Organisation engagierte. Chovey wuchs ohne Eltern auf, aber sie hat noch manche Verwandte, zu denen sie gute Beziehungen pflegt. Um zu verhindern, dass sie nach ihrem Universitätsabschluss zur Alleinversorgerin ihres gesamten Verwandtschaftskreises wird, da sie als Einzige eine Chance auf akademische Bildung hatte, haben wir auch einige ihrer Verwandten in unsere Organisation aufgenommen.

Wir unterstützen Choveys Onkel Pha und ihre drei Cousinen Lihour, Lisah und Minea unter anderem mit monatlichen Lebensmittelspenden, Schulmaterialien und der Abdeckung von Krankenhausrechnungen. Wir haben ihre alleinerziehende Schwester Dina bei einer Ausbildung zur Frisörin und Kosmetikerin unterstützt, ihr ein Moped für den Arbeitsweg gespendet und alle Gesundheits- und Bildungskosten ihrer Nichte Zana übernommen.

Zudem unterstützen wir seit über einem Jahr den Neath, den jüngeren Bruder von Choveys Ehemann Chet, der eine Ausbildung in Klimatechnik macht. Indem wir dafür sorgen, dass Choveys Umfeld Zugang zu Bildung hat, hoffen wir, ihr einiges an Last und Verantwortung von den Schultern zu nehmen und zukünftige Notstände zu vermeiden.

Chovey und ich haben eine extrem tiefgründige Beziehung seit 2014 aufgebaut und sehen uns wirklich wie Geschwister, die nicht enger sein könnten. Es war ihr sehr wichtig, mir vor vier Jahren ihren damaligen neuen Freund Chet vorzustellen und gleich nach dem Treffen meine ehrliche Meinung über ihn zu hören. Ich war einer der Ersten, der von ihren Hochzeitsplänen erfuhr, und Chovey wartete geduldig auf den Abschluss ihres Master-Studiums, bevor sie mit der Hochzeitsplanung begann – worüber wir übrigens ebenfalls bald einen Bericht posten werden.

Daher stand es außer Frage, ob ich die Einladung annehmen und an Chets und Choveys Hochzeit teilnehmen würde, und ich setzte alles daran, zweieinhalb Wochen von meinem Job hier in Österreich freizubekommen, um eine ganze Reise mit diversen Studententreffen und Meetings um die Hochzeit herum zu planen.

Da Chovey in dem Kinderdorf im ländlichen Kambodscha aufwuchs, in dem ich früher ehrenamtlich arbeitete, und die meisten unserer Student:innen entweder dort oder in unmittelbarer Nachbarschaft davon groß wurden, war Choveys und Chets Hochzeit nicht nur ein wunderschönes Fest der Liebe für das Brautpaar, sondern auch ein großes Wiedersehen für viele bekannte Gesichter.

Die Hochzeit dauerte eineinhalb Tage und beinhaltete verschiedene Bräuche und Rituale, die den gemeinsamen Weg des Brautpaares symbolisieren, und am zweiten Abend mit einem großen Abendessen und Party enden. Diese kambodschanischen Hochzeiten variieren in Größe und Dauer und sind in der Regel recht kostspielig, da sie als das wichtigste Fest im Leben eines jeden Menschen gelten. Hunderte von Gästen sind eingeladen, und auf der Gästeliste stehen neben Familie und Freund:innen auch alle Nachbar:innen, Arbeitskolleg:innen und die allgemeine Dorfgemeinschaft. Im Prinzip gilt je länger die Gästeliste, desto besser, da jeder Gast für die Teilnahme an der Party bezahlt und das Brautpaar hofft, so die Kosten für das Hochzeitsfest decken zu können. Diese Khmer Hochzeiten sehen unglaublich schön aus, was vor allem durch Unternehmen ermöglicht wird, die damit beauftragt werden, ein Hochzeitszelt mit glamouröser Dekoration, Plastikblumen, schönen Teppichen, einem Plastik-Kronleuchter und Esstischen in einem leeren Reisfeld aufzubauen.

All dies dient als wunderschöne Kulisse, aber lasst euch von den schönen Fotos nicht täuschen – Armut, Dirt Roads und Müllberge sind immer nur knapp außerhalb des fotografierten Ausschnitts vorzufinden.

Eine Gruppe von Musikern wird engagiert, um während der Zeremonien traditionelle Khmer-Musik zu spielen. Ein Moderator und eine Moderatorin leiten den Ablauf der Feier, indem sie die Zeremonien moderieren, kambodschanische Geschichten erzählen und die Hochzeitsgäste zwischen den einzelnen Programmpunkten mit lustigen Anekdoten und Witzen unterhalten. In der Zwischenzeit baut ein anderes Team hinter dem Hochzeitszelt eine kleine Küche auf, um dort das Essen für die Gäste zu kochen. Am zweiten Abend wird außerdem eine kleine Bühne aufgebaut, auf der bei der Party Live-Musik spielt mit Tänzerinnen, bis schließlich ein DJ die Festlichkeiten mit kambodschanischer Elektronik-Musik abschließt.

Das Brautpaar und die Gäste tragen wunderschöne Kleidung, die fast ausschließlich aus einem sehr günstigen Kleiderverleih stammt. Genau deshalb schätzen aber alle Beteiligten diese Hochzeiten so sehr – denn es ist einer von wenigen Abenden im Jahr, an dem sich alle schick machen, sich wohlfühlen und wunderschöne Fotos vor einer Blumenwand machen können, die ihnen ewig in Erinnerung bleiben.

Die Hochzeit begann am Freitagnachmittag mit Ritualen wie Bang Chhat Madaiy, bei dem das Brautpaar einen Schirm über seine Eltern – oder in diesem Fall über ausgewählte Elternfiguren – hält, um den Schutz zu erwidern, den sie in ihrer Kindheit bekommen haben, und Soat Mun, einer kleinen Zeremonie, bei der der Segen buddhistischer Mönche empfangen wird.

Am Samstagmorgen begannen wir die Festlichkeiten mit Hai Goan Gomlom. Diese kleine Tradition ist der Einzug des Bräutigams und dient als symbolisches Kennenlernen beider Familien, bei der die Familie des Bräutigams die Familie der Braut mit Geschenken besucht. Heutzutage stellen sich nicht nur Familienmitglieder, sondern alle anwesenden Gäste vor dem Hochzeitszelt auf und bringen einen Geschenkteller mit Geschenken in Form von Obst, Gemüse oder Getränken. Der gesamte Zug marschiert zum Hochzeitszelt, symbolisch für das Haus der Braut, und bittet um Einlass.

Zu den nächsten Programmpunkten gehört der Ringtausch zwischen Braut und Bräutigam sowie Bräuche wie Kat Sah, die Haarschneidezeremonie, die symbolisiert, dass das Brautpaar seine Vergangenheit hinter sich lässt, und Sompeas Ptem, die Zeremonie des Knotenbindens. Dabei binden Freunde und Familie eine Schnur um die Handgelenke von Braut und Bräutigam, was ewige Liebe und die Vereinigung zweier Lebenswege symbolisierten.

Nachdem alle traditionellen Rituale abgeschlossen waren, bereiteten sich alle auf den vermeintlich wichtigsten Programmpunkt vor: die Party.

Am Samstagabend trafen alle Gäste ein, um dem Brautpaar zu gratulieren, zahlreiche schöne Fotos zu machen, ein köstliches Khmer-Dinner zu genießen und zur Live-Musik auf der Bühne zu tanzen. Es war wirklich endlich mal ein Anlass für alle unsere Student:innen und die Familien, die wir unterstützen, dem Alltag für einen Moment zu entfliehen und einen Abend gemeinsam zu verbringen, an dem man sich Geschichten erzählt, Erfahrungen austauscht, Witze erzählt, gemeinsam tanzt, und alles in allem unsere Beziehungen vertieft.

Diese Hochzeit nicht nur mit Chovey und Chet, sondern auch mit so vielen unserer CYS-Student:innen und Familien sowie mit vielen anderen Freunden und Freundinnen, die ich in den letzten zwölf Jahren im ländlichen Kambodscha kennengelernt habe, erleben zu dürfen, war ein wahrer Segen und ein richtiges Privileg. Es war wirklich ein Wochenende, das uns allen für immer in Erinnerung bleiben wird – ein wunderschönes Fest, das wir alle gemeinsam als gefundene Familie genossen haben und an das wir immer gerne zurückdenken werden.

Anmerkung: Abgesehen von einer besonderen Spenderin, die diese Hochzeit unterstützen wollte, wurden für diese Veranstaltung keinerlei Spenden verwendet.