Der Konflikt Eskaliert

Kambodscha steht seit dem Sommer immer wieder in den internationalen Schlagzeilen, da die Spannungen eines seit Jahrzehnten andauernden Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Thailand zugenommen haben. Wie wir bereits vor einigen Monaten in einem anderen Website-Bericht erzählt haben, fielen im Juli an der Grenze Schüsse, die Tausende Familien im Norden Kambodschas zur Flucht zwangen. Sie suchten Schutz in provisorischen Flüchtlingslagern. Obwohl sich die Lage nach einem Waffenstillstand und einem von Thailand und Kambodscha in Malaysia unterzeichneten Friedensabkommen zunächst zu verbessern schien, war der Frieden nur von kurzer Dauer. Leider eskalierte der Konflikt letzte Woche auf ein bisher noch nie dagewesenes Ausmaß.

APA/AFP/Agence Kampuchea Press
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Nachdem die thailändische Armee am 8. Dezember erneut Angriffe verübte, wurden Hunderttausende Kambodschaner entlang der Grenze erneut zur Flucht gezwungen. Viele mussten ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen. Stand heute, 15. Dezember, sind über 1.000 Schulen geschlossen, mehr als 20.000 Familien suchen Zuflucht in Flüchtlingslagern, und die Zahl der Vertriebenen ist auf über 400.000 gestiegen. Mit über einem Dutzend gemeldeten Todesopfern und Angriffen auf historische Stätten, darunter UNESCO-geschützte Tempel in Preah Vihear, hat der Konflikt erneut internationale Aufmerksamkeit erregt.

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Eine unserer Studentinnen, Somnang, stammt aus Oddar Meanchey, einer der sieben Provinzen, die direkt von der Gewalt betroffen sind. Obwohl Somnang selbst aufgrund ihres Universitätsstudiums derzeit in einer anderen Stadt lebt, befindet sich ihre Familie – bestehend aus ihren Eltern, ihrem Großvater, ihrem 17-jährigen Bruder Vicheka und ihrer 9-jährigen Schwester Soksomnit – weiterhin im Zentrum des Konflikts.

Angesichts täglicher Bombenalarme grub die Familie neben ihrem Haus einen Bunker, um Schutz zu suchen, bevor sie sich schließlich zur Flucht beschloss. Sie packten nur das Nötigste in ihren Remork und reisten 60 Kilometer zu einem Flüchtlingslager, wo sie nun leben. Wir stehen in engem täglichen Kontakt mit ihnen und unterstützen sie mit Spenden, um ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen so gut wir können zu gewährleisten.

Inmitten der Trauer und des Leids, die Kambodscha in der vergangenen Woche erlebt hat, sticht allerdings ein Hoffnungsschimmer aus dem ganzen Chaos deutlich heraus: die Zivilcourage der Khmer füreinander. Obwohl sie selbst mit Herausforderungen und Armut zu kämpfen haben und oft aus bescheidenen Verhältnissen stammen, haben sich KambodschanerInnen im ganzen Land versammelt, um zu spenden, Hilfsaktionen zu organisieren und ehrenamtlich die geflüchteten im Grenzgebiet zu unterstützen, die dringend Hilfe benötigen.

Srey Nich, Any und Theara bereiten Kleiderspenden vor

Diese Anteilnahme und Großzügigkeit ist wirklich bemerkenswert. Unmittelbar nach der Eskalation des Konflikts entstanden in ganz Kambodscha zahlreiche Bürgerinitiativen. Lokale Prominente, Social-Media-Stars, NGO-Manager und UnternehmerInnen sammelten Spenden und Waren, um Hilfspakete mit Lebensmitteln, Kleidung, Hygieneartikeln, Medikamenten, Windeln, Babynahrung, Reismatten und Bettwäsche zu packen und in den Hunderten von Flüchtlingslagern zu verteilen.

Srey Nek engagiert sich bei der Kingsway Church
Yean hilft eine Spendenaktion in einem Flüchtlingslager in der Banteay Mean Chey Provinz vorzubereiten

Am Wochenende beteiligten sich mehrere unserer CYS-StudentInnen an diversen Hilfsaktionen in Phnom Penh. Einige reisten sogar in die betroffenen Gebiete, um ihre Solidarität mit den Familien und Kindern zu bekunden. Sie boten ihre Zeit, ihre Fürsorge und ihre Unterstützung an mit einer Selbstverständlichkeit, die wahrlich einzigartig ist. Die Erfahrungen, die sie im Rahmen dieser Spendenaktionen machten, waren zwar sehr emotional, doch unsere StudentInnen haben in dieser schwierigen Zeit auch Kraft und Sinn im Zusammenhalt der Gemeinschaft und im sozialen Engagement gefunden.

Vichika ordnet Medikamente
Srey Nich hilft Kleidungsortieren
Unser neuer Student Dy und seine Uni-KollegInnen

Diese Woche haben wir außerdem Gelder für lokale Initiativen im ganzen Land bereitgestellt, um kambodschanische BürgerInnen zu unterstützen, die sich ehrenamtlich engagieren und dringend benötigte Hilfsgüter in Flüchtlingslagern in mehr als sieben Provinzen verteilen. Bisher haben wir über 3.000 US-Dollar eurer Spenden für großartige Initiativen eingesetzt, die mehr als 400 Familien in vier der betroffenen Provinzen – Siem Reap, Battambang, Oddar Meanchey und Banteay Meanchey – Soforthilfe leisten.

Diese Ausgaben waren zwar unerwartet, aber wir sind überzeugt, dass es unerlässlich ist zu handeln und unsere Plattform zu nutzen, um die zu unterstützen, die sich in akuter Not befinden nämlich unschuldige Zivilisten, Familien und Kinder, die mitten in dieser Krise gefangen sind.

In Zeiten wie diesen ist Zusammenhalt das, was am meisten zählt.

Yean bei einer Spendenaktion in der Banteay Mean Chey Provinz
Flüchtlingslager in der Banteay Mean Chey Provinz
Srey Nek verteilt Hilfsgüter
Vertriebene Kinder

Unterstützt KambodschanerInnen in Not, indem ihr noch heute an CYS spendet!