Das Jahr 2025 ist offiziell vorbei, und wie viele von uns habe auch ich an Silvester einen Moment innegehalten, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Angesichts der jüngsten humanitären Notlage in Kambodscha infolge des Grenzkonflikts mit Thailand fiel mir dieser Jahresrückblick dieses Mal jedoch schwerer als in den Jahren zuvor.
Aber lasst uns zunächst mit etwas Positiverem beginnen.
Das vergangene Jahr war unser fünftes Jahr im Einsatz – und zu sagen, die Zeit sei wie im Flug vergangen, wäre eine Untertreibung. Es ist kaum zu glauben, dass ich meine Arbeit in Kambodscha vor fast dreizehn Jahren begonnen habe und dass meine eigene gemeinnützige Organisation, Cambodian Youth Support, nun schon seit einem halben Jahrzehnt besteht.
Das bedeutet ein halbes Jahrzehnt der Unterstützung benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener durch Bildung und Mentoring. Ein halbes Jahrzehnt der Versorgung von Familien in Not mit Nahrungsmittelspenden, Hilfsgütern und Zugang zu medizinischer Versorgung, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass ihre Kinder zur Schule gehen können.
Bereits seit einem halben Jahrzehnt setzen wir an ländlichen Grundschulen Community-Projekte um, finanzieren notwendige Wartungsarbeiten, stellen den Zugang zu sauberem Wasser sicher und verteilen Schulmaterialien an Hunderte von Familien in den umliegenden Gemeinden.
Und ein halbes Jahrzehnt lang haben wir unzählige Meilensteine mit unseren Student:innen gefeiert – vom erfolgreichen Abschluss von Universitätssemestern, Sprachkursen und Schulprüfungen bis hin zu Geburtstagen und neuen Praktika oder Jobmöglichkeiten.
Obwohl sich CYS für mich immer noch wie eine winzige Organisation anfühlt, da ich unsere Student:innen und Begünstigten wie eine zweite Familie betrachte und täglich mit ihnen in Kontakt bin, wird mir in solchen Momenten der Reflexion bewusst, wie sehr wir nun doch schon gewachsen sind. Über 7.000 Menschen verfolgen unsere Projekte und die Fortschritte unserer Student:innen in den sozialen Medien – von der amerikanischen Westküste bis nach Neuseeland. Es ist wirklich bemerkenswert, wie die Geschichten, Resilienz und Entschlossenheit unserer CYS-Mitglieder Menschen auf der ganzen Welt berühren, und ich bin unglaublich stolz auf ihre Leistungen.
Doch die Lebenswege unserer Studierenden verlaufen nicht ohne Herausforderungen. Es gibt Höhen und Tiefen, Erfolge und Rückschläge – doch unsere Verbindungen werden jeden Tag stärker und bestätigen immer wieder aufs neue, dass CYS immer weit mehr eine Familienangelegenheit als eine bloße “Organisation” ist.
2025 war außerdem das erste Jahr, in dem unsere Projektausgaben die 100.000 US-Dollar-Schwelle überschritten haben. Dadurch konnten wir Dutzende engagierter Studierender auf ihrem Weg zu höherer Bildung und einer sichereren Zukunft unterstützen. Unsere Community in Kambodscha ist über die Jahre gewachsen, und ich bin heute genauso motiviert, neue Mitglieder in unserer Familie willkommen zu heißen, wie damals, als ich CYS gegründet habe.
Mit Wachstum geht jedoch auch Verantwortung einher. Eines meiner Ziele für 2026 ist es daher, unser internationales Netzwerk auszubauen, um eine nachhaltige Finanzierung und die langfristige Kontinuität von Bildung, Gesundheit und des allgemeinen Wohlergehens unserer Begünstigten sicherzustellen.
Das vergangene Jahr brachte jedoch auch immense Herausforderungen mit sich. Kambodscha erlebte nach der Eskalation des Grenzkonflikts mit Thailand seine erste große humanitäre Krise seit Jahrzehnten, worüber wir bereits in den letzten Websitebeiträgen berichtet haben. Fast eine halbe Million Menschen waren gezwungen, von ihren Häusern zu fliehen. Als etablierte Organisation standen wir dadurch erstmals vor schwierigen, aber notwendigen Entscheidungen. Obwohl unsere CYS-Familie immer der Mittelpunkt unserer Arbeit sein wird, fühlte ich mich zutiefst verpflichtet, angesichts der Krise in einem Land, das mir so sehr ans Herz gewachsen ist, zu handeln. Aus diesem Grund haben wir einen Teil der Spendengelder, die ursprünglich für unsere Projekte im Jahr 2026 vorgesehen waren, umverteilt, um gemeinsam mit unserem lokalen Netzwerk diverse Initiativen zu unterstützen, die Tausenden von vertriebenen Familien dringend benötigte Soforthilfe in den Flüchtlingslagern leisteten.
Am 27. Dezember, pünktlich zum Jahresende, wurde ein Waffenstillstand zwischen Thailand und Kambodscha verkündet. Dennoch bleiben die Familien vorsichtig und zweifeln daran, ob sie nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatdörfer wirklich in Sicherheit wären. Daher befinden sich am 4. Jänner noch immer Hunderttausende Menschen in den zahlreichen Flüchtlingslagern entlang des Grenzgebiets.
Aus diesem Grund werden wir neben unseren vielen laufenden Projekten und den vielen neuen Student:innen und Familien, die wir in unser Programm aufgenommen haben und euch 2026 vorstellen möchten, auch im kommenden Jahr weiterhin Hilfsmissionen für die von dieser Krise Betroffenen unterstützen.
Letztendlich hat uns das Jahr 2025 daran erinnert, was wirklich zählt: Zusammenhalt und Gemeinschaft. Cambodian Youth Support ist und war schon immer eine Familie, die auf Mitgefühl und gegenseitiger Unterstützung basiert. Wir sind zutiefst dankbar, dass wir weiterhin neue Mitglieder in dieser Familie willkommen heißen und auch in der Lage sind, in nationalen Krisensituationen zu handeln.
Vielen Dank an alle, die unsere CYS-Familie in diesem Jahr unterstützt haben – sei es durch das Folgen unserer Arbeit auf den sozialen Medien, durch liebevolle Nachrichten, Spenden oder motivierende Worte. Wir sehen euch, wir wissen eure Unterstützung zu schätzen und nehmen nichts als selbstverständlich hin!
Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr! Möge 2026 ein friedlicheres Jahr werden und weiterhin positive Fortschritte für benachteiligte kambodschanische Student:innen bringen.
Alles Liebe, Julian
